Ein Ort für Visionäre

von

by Thomas Bornheim

Beim Aufbau von 42 Heilbronn geht es ebenso sehr um den Aufbau eines Teams und eines Gebäudes, wie um den Aufbau einer Gemeinschaft. Wie können wir einen Raum schaffen, der unsere Studierenden und ihre Lernerfahrung unterstützt? Wie kombinieren wir eine praxisnahe Coding-Umgebung mit Raum für Zusammenarbeit und einer Plattform für eine Lerngemeinschaft? Eine Schule braucht einen realen, analogen, physischen Raum - und das bringt viele Designentscheidungen mit sich.

 

Form folgt Funktion, und schöne Orte machen Spaß

In meinen Zwanzigern hatte ich in Deutschland in Büros gearbeitet, die dunkel, grau und deprimierend waren. Ich war erstaunt, dass so viele Arbeitsplätze scheinbar so gestaltet waren, dass man sich unwohl fühlte. Als ich anfing, für Google zu arbeiten, erlebte ich etwas Inspirierendes und Frisches. Die Büros waren anders als alles, was ich bisher gesehen hatte. Sie sahen aus wie ein Ort, an dem Menschen gerne ihre Zeit verbringen und an dem die Arbeit Spaß macht. Orte können so organisiert werden, dass Menschen leichter zusammenkommen und etwas Großartiges aufbauen können.

 

Wie sollte ein Ort aussehen, an dem Menschen tatsächlich arbeiten und lernen?

Die 42 Coding Schools, die ich mir online ansah, hatten ein besonderes Erscheinungsbild. Als es darum ging, unsere eigenen Räume zu gestalten, stellte ich mir die Menschen vor, die das Gebäude betreten würden. Ich betrachtete alles durch ihre Augen. Was würden sie brauchen, was würden sie sich wünschen, wenn sie jeden Tag hierher kämen? Was würden sie brauchen, um das Gebäude zu ihrem eigenen Platz der Motivation oder Innovation zu machen? Das gilt für die Studierenden ebenso wie für all die anderen Menschen, die hier arbeiten, die Kolleginnen und Kollegen am Empfang ebenso wie die Verantwortlichen für die Sicherheit. Sie sind es, die für ein reibungsloses Fundament sorgen. Wenn sie zufrieden sind, ist das ein guter Start in jeden Tag.

 

Einfach, klar, offen

In den Clustern (hier stehen alle Computer) gilt ein einfaches Prinzip:

  • Schaffe so wenig Ablenkung wie möglich: Die Cluster zeichnen sich durch Klarheit aus und ermöglichen dadurch konzentriertes Arbeiten (Deep Work).
  • Gestalte es offen und voller Luft und Licht.
  • Vernetze alles miteinander und mach es flexibel veränderbar.

Bei 42 setzen wir auf Peer-to-Peer oder kollaboratives Lernen. Die Studierenden unterrichten sich selbst und gegenseitig. Das notwendige Wissen wird gemeinsam erarbeitet und durch Netzwerke und die gemeinsamen Erfahrungen erweitert. Unsere Studenten helfen sich gegenseitig und lernen, die Hilfe anderer zu schätzen. Kooperation ist ebenso wichtig wie Cluster, also Orte, an denen Gruppen zusammenkommen. Wissen erneuert sich und bleibt aktuell, wenn offene Strukturen den Austausch fördern.

 

Es ist zudem wichtig, über Räume nachzudenken, die Studierende nutzen können, um sich zu entspannen und zu erholen. Wir können Duschen für Leute anbieten, die zur Schule pendeln, oder die tagsüber gerne laufen oder Fahrrad fahren. Daneben gibt es Raum für einfaches Plaudern, Treffen und all die lustigen Aktivitäten, die jeder gerne macht. Idealerweise sollten diese Bereiche so gemütlich sein, dass man sich darin aufhalten möchte. Eine Couch, ein Sessel. Möbel, in denen man es sich gemütlich machen kann. Aber auch die Gestaltung eines Raumes, der sagt: Hier kann man ein Nickerchen machen. Ich habe geholfen, einige solcher Räume zu bauen, und solange wir sie so gebaut haben, dass man sich selbst wohlfühlt, könne auch andere sie genießen.

Ich bin froh, dass Adrien Raoul mich bei der räumlichen Gestaltung des 42 berät. Er war der Hauptinitiator von vielen 42-Architekturen, und ich bin glücklich, ihn als Berater und Mentor zu haben. Adrien erinnert mich an die architektonischen Prinzipien und Ideen hinter Gebäuden und Räumen. Er erklärt mir, warum Cluster so wichtig für die 42-Erfahrung sind: Ein einzelner Büroraum, Kabinen oder Situationen, in denen sich die Menschen gegenseitig ignorieren, führen in der Regel zu fragmentierten, isolierten Lernerfahrungen. Eine 42-Erfahrung sollte eine sein, bei der man immer in der Nähe eines Kommilitonen ist, bei der man Gruppenerfahrungen ermöglicht und sich vielleicht überwältigt fühlt, aber man ist nie verloren oder ganz auf sich allein gestellt.

In Heilbronn haben wir die Möglichkeit, diese Ansätze mit dem Grundriss und der Beschaffenheit eines historischen Gebäudes zu kombinieren. Sein klares, aber robustes Erscheinungsbild bietet Raum für strukturiertes Arbeiten, aber auch für Rückzug und Kontemplation. So schaffen wir einen Ort für mutige Menschen, die Programmieren lernen, aber vor allem etwas Großes schaffen wollen. Die alte Weipert-Fabrik ist dafür der perfekte Ort. Ein Ort, an dem Menschen gerne Zeit verbringen. Ein Ort für Kreativität, Lernen, Zusammenarbeit - und für Visionen.

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